Fraunhofer und DLR eröffnen Leichtbau-Forschungszentren in Augsburg

Leichtbau gehört zu den wichtigsten Zukunftstechnologien im Flugzeug-, Fahrzeug- und Maschinenbau. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) arbeiten gemeinsam an automatisierten Fertigungsverfahren für leichte Werkstoffe aus Carbonfasern, die sich für Großserien eignen. Im Augsburger Innovationspark wurden am 14. Mai 2013 Büro- und Technikumsgebäude der beiden Forschungseinrichtungen eröffnet.

?Augsburg rapt? stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl in seiner Rede zur Einweihung der DLR- und Fraunhofer-Institutsgebäude fest. Der Spruch steht sinnbildlich für die Aufbruchsstimmung und die Modernität, die durch die Stadt weht.

Die Feierlichkeiten am 14. Mai mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bildeten den vorläufigen Höhepunkt der schnellen und erfolgreichen Ansiedlungsinitiative der Stadt Augsburg, die diese Aufbruchsstimmung befördert. Im August 2009 wurde eine Absichtserklärung zwischen dem Freistaat Bayern der Stadt Augsburg unterzeichnet, in der sich die Stadt verpflichtet, die vom Freistaat mit einem Betrag von 53 Mio. Euro geförderte Ansiedlung von Forschungseinrichtungen des DLR und der FhG mit einem weiteren Zuschuss in Höhe von 8,5 Mio. Euro zu unterstützen. Am 7. September 2009 erfolgte der symbolische erste Spatenstich. Der Baubeginn war im Sommer 2011. Knapp zwei Jahre später nun feierte man die Einweihung der gemeinsamen Forschungsplattform: ?Von Anfang an haben Wirtschaft (IHK, HwK), die Universität Augsburg (als Nachbar), die Hochschule Augsburg, die zuständigen Ministerien, politische Gremien (z.B. Stadtrat), Behörden (Regierung von Schwaben, Staatliches Bauamt), nicht zuletzt auch die Stadtverwaltung (insbesondere Bau-, Wirtschafts- und Umweltreferat), Vereinigungen (z.B. Carbon Composites e.V., Wirtschaftsjunioren) und viele andere mehr dazu beigetragen, dass das Werk gelinge?, so der Oberbürgermeister. Auch der Wirtschaftsraum mit den beiden Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg und die Regionen Schwabens befürworten und unterstützen diese Entwicklung, ergänzte er.

An der Forschungsgruppe Funktionsintegrierter Leichtbau FIL des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT werden Arbeitsmöglichkeiten für etwa 55 Mitarbeiter und 25 wissenschaftliche Hilfskräfte/Studenten geschaffen. ?Wir verfügen über die modernsten Anlagen im Bereich der automatisierten Fertigung von kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen CFK. Mit unseren lokalen Partnern wie der Universität Augsburg, Premium AEROTEC, Kuka, SGL, MT Aerospace, Eurocopter und vielen mehr sind wir eng vernetzt?, freut sich Prof. Dr. Klaus Drechsler, einer der beiden Leiter der Projektgruppe. Enge Verbindungen bestehen auch zum Lehrstuhl für Carbon Composites an der TU München und zum Institut für Flugzeugbau der Uni Stuttgart. Die Projektgruppe ist außerdem wichtiger Partner im Spitzencluster MAI Carbon mit Audi, BMW und vielen anderen. Derzeit kooperiert das FIL mit über 40 Firmen, darunter viele kleine Unternehmen.

Europaweit einmalig ist die Forschungsplattform des Zentrums für Leichtbauproduktionstechnologie (ZLP) des DLR. Das Herzstück ist eine ?Multifunktionale Roboterzelle?, mit der Produktionsprozesse auf ihre Automatisierungsfähigkeit hin untersucht werden können.

Der DLR-Institutsleiter Prof. Dr. Heinz Voggenreiter stellt dar, dass damit ein Beitrag zur Sicherstellung einer nahtlosen Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zum Industrieprodukt geleistet werde.

Neue Produktionstechnologien sind erforderlich, um die Leichtbaumaterialien in großen Serien und kostengünstiger herstellen zu können. Die Teams der beiden Forschungseinrichtungen von DLR und FhG arbeiten an allen Produktionsschritten der Werkstoffe für den Leichtbau, denn die Nachfrage nach den kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen CFK für die Luft- und Raumfahrt sowie für die Automobil- und Maschinenbauindustrie steigt. Diese Materialien tragen erheblich dazu bei, Verbrauch und Emissionen von Flugzeugen, Kraftfahrzeugen und Maschinen zu reduzieren. CFK-Bauteile wiegen nur etwa halb so viel wie vergleichbare aus Stahl, sind aber genauso fest, crashsicher und rosten nicht. Die Fasern lassen sich je nach Anforderung in mehreren Lagen und verschiedenen Ausrichtungen übereinander legen. Bei Flugzeugen und Rennwagen der Formel 1 sind ein Großteil der Bauteile bereits aus CFK gefertigt. Bislang müssen solche Carbonkomponenten noch aufwändig von Hand gefertigt werden.

Die beiden Institute bilden einen Teil des Augsburg Innovationsparks. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu dieser Heimat der Zukunftstechnologien wird das Technologiezentrum Augsburg (TZA), für das der Spatenstich dieses Jahr im September erfolgen soll.