Compliance Management

Empfehlung für den Mittelstand

"Das Thema Compliance wird nicht verschwinden wie eine Mode", macht Stephan Maruschke klar. Der Chief Compliance Officer der Dachser Group SE & Co. KG stellte den Besuchern des Netzwerktreffens der Wirtschaftsförderung Stadt Augsburg die Vorteile und Herausforderungen dar, die sich für mittelständische Unternehmen bei diesem Thema ergeben.

Rund 50 Gäste hatten sich bei hochsommerlichen Temperaturen im Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer, kurz ZWW, der Universität Augsburg eingefunden, um sich über Compliance für den Mittelstand zu informieren und auszutauschen. Zuvor gab ihnen Prof. Dr. Peter Schettgen, Leiter des ZWW, einen Überblick über Angebot und Historie des Instituts. Er freute sich als Gastgeber, ebenso wie Bürgermeisterin Eva Weber, dass neben den bisherigen Veranstaltungsorten für das Netzwerktreffen der Wirtschaftsförderung nun auch einmal ein universitärer Rahmen als Treffpunkt diente.

Das Thema Compliance ist aktueller denn je: In einer aktuellen Umfrage unter 1.000 deutschen Arbeitnehmern kam man zu dem Ergebnis, dass sich über 80 Prozent von ihnen wettbewerbswidrig verhalten, indem sie sich mit Freunden oder anderen Arbeitnehmern, die in der gleichen Branche tätig sind, über Preise und Marktverhältnisse austauschen. Mehr als jeder Dritte tut dies sogar häufig. Nur knapp drei Prozent der Beschäftigten sind sich überhaupt bewusst, dass dies eine Straftat darstellen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Für Stephan Maruschke ist die Einführung von Compliance-Regeln in mittelständischen Unternehmen deshalb einerseits unabdingbar, andererseits auch relativ einfach: "Es gibt diese Verhaltensregeln oft schon lange und in verschiedenen Formen - sie müssen nur aufgeschrieben und veröffentlicht werden." Kurze Kommunikationswege, vertrauensvolle Zusammenarbeit, gemeinsame Werte aus der Tradition des Unternehmens heraus: Das alles macht Compliance im Mittelstand einfacher. Die Abhängigkeit von Auftraggebern, eine zu enge Organisation oder ein allgemeines Gefährdungspotential in der Branche wiederum machen es den Mittelständlern wiederum schwerer, Compliance-Regeln einzuhalten. Der Chief Compliance Officer der Dachser Group stellte allerdings klar, dass das Netz immer enger wird, in dem sich moralisch oder gesetzlich verwerfliche Handlungen im Geschäftsleben verfangen können. "Nicht die Wirtschaftskriminalität nimmt zu, sondern die Entlarvung von Wirtschaftskriminellen hat zugenommen", so Maruschke.

Im mittelständischen Unternehmen ist Compliance "Chefsache", weiß der Fachmann. Die Führungskräfte sollten allerdings mit ins Boot genommen werden, um die Werte der Firma zu vermitteln. Maruschke gab den Zuhörern auch eine einfache Regel zum Thema Compliance mit auf den Weg: "Wenn Sie etwas tun, das nicht öffentlich werden darf, dann sollten Sie es lieber lassen."

Es gibt bereits Normen, die sich mit Compliance befassen, beispielsweise die DW EPS 980 und die ISO 19600. Auch Weiterbildungen, wie etwa der Zertifikatskurs des ZWW zum Compliance Officer (Univ.), geben dem Mittelstand Richtlinien an die Hand, mit denen sie ihr Unternehmen in Sachen Compliance fit machen können. Der Vortragende beim Netzwerktreffen fasst sie so zusammen: "Eine starke Unternehmenskultur ist das wirkungsvollste Compliance Management".

Für die Gäste war dies ein guter Auftakt zu angeregten Diskussionen - denn das ist es, was die Netzwerktreffen der Wirtschaftsförderung ausmacht: Unternehmer kennenlernen und über gemeinsame Themen und Interessen zu sprechen. Eva Weber weiß das: "Wir freuen uns, dass wir durch die Netzwerktreffen der Wirtschaftsförderung den Unternehmen in Augsburg die Chance geben, sich besser kennen zu lernen. Denn oftmals arbeiten Firmen Tür an Tür und wissen nicht genau, was der Nachbar eigentlich tut und dass es für die eigene Arbeit oftmals sogar nützlich sein kann, zusammen zu arbeiten."