Veranstaltung im Rahmen von Kreativ@bayern

Diskutierten über den Stellenwert der emotionalen Qualität bereits im Produktentwicklungsprozess (v.l.): Dr. Andrea Niedzela-Schmutte, Leiterin des Referats für Kultur- und Kreativwirtschaft, Design im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Bürgermeisterin Eva Weber, Referentin Swantje Rößner und Philipp Erwein Prinz von der Leyen als Vorsitzender des Vorstands der Bezirksgruppe Schwaben vbw. Foto: Agnes Mayer

"Design ist mehr als die Verpackung - Folgt Emotion planbaren Grundmustern?"

Die zunehmende Digitalisierung erfordert eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung von Industrie sowie Kultur- und Kreativbranche. Wie das funktioniert und welche neuen Wege Unternehmen bei der Produktentwicklung gehen können, war im Augsburger Rathaus Thema der Veranstaltung "Design ist mehr als Verpackung. Folgt Emotion planbaren Grundmustern?" Sie ist Teil der vierteiligen Vortragsreihe "kreativ@bayern", die von den kreativwirtschaftlichen Fördereinrichtungen in Augsburg, München, Nürnberg und Regensburg in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.CV. (vbw) gestartet wurde. Ziel ist, die Zusammenarbeit zwischen bayerischen Wirtschaftsunternehmen und Partnern aus der Kultur- und Kreativbranche zu fördern. Die Vortragsreihe wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert. Dessen Vertreterin, Andrea Niedzela-Schmutte, kündigte aufgrund des erfolgreichen Auftakts in Regensburg für 2017 eine Fortsetzung des Formats an.

In seinem Grußwort betonte Philipp Erwein Prinz von der Leyen, Vorsitzender des Vorstands der vbw-Bezirksgruppe Schwaben, die Notwendigkeit einer engeren Kooperation und Vernetzung. "Voraussetzung ist, dass wir jetzt handeln", appellierte er an rund 80 Zuhörer. 

Augsburgs zweite Bürgermeisterin und Wirtschafts- und Finanzreferentin Eva Weber lobte in ihrem Grußwort, "dass die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sich dem Thema geöffnet hat. Es gibt es zahlreiche Berührungspunkte zur Kultur- und Kreativbranche, an denen man erfolgreich ansetzen kann. Eine typische Schnittstelle ist das Design."

Eine Schnittstelle, an der Referentin Swantje Rößner durch ihre langjährige Tätigkeit als Designerin bei der BMW Group umfassende Erfahrungen sammeln konnte. Vor fünf Jahren machte sie sich selbständig und gründete das Designstudio Poetic Design. Von ihr war zu erfahren, welche Prozesse und Herangehensweisen aus der Designbranche sich auf andere Arbeitsbereiche übertragen lassen und welche Rolle die Emotion dabei spielt. "Nur wer Emotion als Unternehmen richtig einsetzt, kann Alleinstellungsmerkmale für Produkte und Marken schaffe", so Rößner.

Wie sie weiter ausführte, werde in der Produktentwicklung die Emotion meistens noch nicht berücksichtigt, obwohl sie zu 50 Prozent die Kaufentscheidung beeinflusse. "Beim Innovationsprozess beschäftigen wir uns vor allem mit rationalen Dingen, wie Vertrieb und Produktion", erklärte Swantje Rößner. Die Hirnforschung habe hingegen herausgefunden, dass den Kunden erst eine emotionale Botschaft auf etwas aufmerksam macht. Daher müssten Gefühle, Sehnsüchte und Bedürfnisse von Anfang an in die Entwicklung neuer Produkte einfließen. "Jedes Produkt, das begeistert, braucht eine Dramaturgie. Vom antiken griechischen Theater und von Hollywoodproduktionen lässt sich da eine Menge abschauen." Rößner plädierte dafür, neue Wege zu gehen, umzudenken und dabei die eigene Intuition zu nutzen. 

Erfindungen und neue Ideen - dafür steht Augsburg als Produktionsstandort seit jeher. "Auch die Kultur- und Kreativbranche kann sich sehen lassen", sagte Eva Weber mit Blick auf die aktuelle Studie des Büros für Kulturwirtschaftsforschung. Danach sind zehn Prozent aller Unternehmen in dieser Branche tätig - ein überdurchschnittlicher Wert. Gerade Augsburgs Größe gereicht der Stadt dabei zum Vorteil: Sie bietet Platz für zahlreiche, unterschiedliche Kreativschaffende, ist gleichzeitig überschaubar und bietet so eine gute Basis für ein erfolgreiches Netzwerk.

Weitere Veranstaltungen der Vortragsreihe kreativ@bayern:

  • 16. November in Nürnberg: "Gamification. Spielend Bildung schaffen" mit Keynote von Prof. Dr. Peter Niemann zum Thema "Virtual Training - innovate or die!"
  • 30. November in München: "Kreativ im Ungewissen. Mit kreativunternehmerischen Methoden zum Ziel" mit Keynote von Michael Faschingbauer "Wer Amerika entdecken will, muss Richtung Indien lossegeln"